Renault hat seinen Sitz in Boulogne-Billancourt, dem Herzen der französischen Automobilindustrie. Es ist der größte Hersteller und Exporteur des Landes. Die französische Regierung hält immer noch eine Mehrheitsbeteiligung und ist damit eine der bekanntesten Unternehmensmarken in Europa. Aber dies ist nicht nur eine Geschichte über elegante Autos. Es ist eine Erzählung über Krieg, Machtübernahme durch die Regierung, globale Fehltritte und Überleben.

Das Unternehmen begann im späten 19. Jahrhundert als Renault Frères („Brüder Renault“). Louis Renault, Marcel und Fernand haben klein angefangen. Louis hatte zu Hause sein erstes Minicar gebaut. Dieses erste Modell verfügte über eine Direktübertragung – damals ein Novum. Die Bestellungen gingen 1899 ein. Rennsiege folgten schnell. Die Brüder bewiesen, dass sie Maschinen bauen konnten, die gewinnen konnten.

Die Taxis, die Paris gerettet haben

Bis 1905 verfügte Renault über zwei meistverkaufte Modelle, die als Taxis die Straßen dominierten. Diese Fahrzeuge wurden im Ersten Weltkrieg unsterblich. 1914 wurden 600 Pariser Taxis beschlagnahmt. Sie transportierten Soldaten während der Ersten Schlacht an der Marne an die Front. Dieses als „Taxis der Marne“ bekannte Ereignis ist ein entscheidender Moment in der Militär- und Automobilgeschichte.

Renault hat nicht vor Autos Halt gemacht. Die Fabriken produzierten Granaten, Flugzeugmotoren und leichte Panzer für den Kriegseinsatz. Nach dem Krieg wurde die Expansion mit Bussen, Lastkraftwagen und Traktoren fortgesetzt. Doch der Frieden war nur von kurzer Dauer.

Der Zweite Weltkrieg brachte Verwüstung. Deutsche Truppen beschlagnahmten die Fabriken. Durch die Bombenangriffe der Alliierten lagen viele Einrichtungen in Trümmern. Als Paris 1944 befreit wurde, wurden die verbliebenen Pflanzen vom französischen Staat beschlagnahmt. 1945 gründete die Regierung die Régie Nationale des Usines Renault. Die Mission war klar: Frankreich mit beliebten, preiswerten Familienautos wieder aufbauen. Der Mitte der 1950er Jahre produzierte Renault 4CV wurde zum Symbol dieser Ära.

Amerikanische Ambitionen und schmerzhafte Abgänge

Renault beschränkte seine Ambitionen nicht auf Europa. 1974 erwarb das Unternehmen Automobiles M. Berliet, die Lkw-Tochtergesellschaft von Citroën. Dieser Schritt signalisierte einen Vorstoß in Richtung Industriefahrzeuge.

In den 1970er Jahren kam es auch zu einem mutigen Versuch, den amerikanischen Markt zu erobern. 1979 unterzeichnete Renault eine Vereinbarung mit der American Motors Corporation (AMC). Der Deal ermöglichte es AMC-Händlern, Renault-Autos in den Vereinigten Staaten zu verkaufen. Im Gegenzug vermarktete Renault AMC-Fahrzeuge in Europa. 1980 war Renault Hauptaktionär von AMC.

Es war ein riskanter Wendepunkt. Der amerikanische Markt ist für ausländische Autohersteller bekanntermaßen schwierig. Der kulturelle Fit war nicht da. Die Marken fanden keinen Anklang. 1987 kündigte Renault seinen Rückzug aus dem US-amerikanischen Automobilmarkt an. Es wurde eine Übernahmevereinbarung mit der Chrysler Corporation geschlossen, um einen sauberen Ausstieg zu ermöglichen.

Das Unternehmen war jedoch weiterhin im Schwertransportbereich präsent. Ab 1983 hielt Renault eine Mehrheitsbeteiligung an Mack Trucks Inc., dem amerikanischen Hersteller schwerer Lkw. Dieser Geschäftsbereich blieb eine stabile Einnahmequelle, auch wenn die Pkw-Unternehmungen schwankten.

Die staatliche Kontrolle bleibt bestehen

Trotz jahrzehntelanger Privatisierungsbemühungen in ganz Europa blieben die Beziehungen zwischen Renault und dem französischen Staat eng. Die Regierung ließ nie ganz locker. Im Jahr 1994 kam es zu einer Halbprivatisierung. Der Staat verkaufte Anteile, behielt aber einen Anteil von 50,1 Prozent.

Durch diese Mehrheitsbeteiligung hat Paris erheblichen Einfluss auf die Unternehmensstrategie. Es schützt das Unternehmen vor feindlichen Übernahmen. Es verknüpft auch das Schicksal des Autoherstellers mit der nationalen Wirtschaftspolitik. Für Investoren bedeutet dies, dass Renault nie völlig frei ist, rein marktgetriebenen Impulsen zu folgen. Für die Verbraucher bedeutet es eine Marke, die sowohl global als auch tief in der französischen Industrieidentität verwurzelt ist.

Die Geschichte von Renault ist eine Reihe von Wendepunkten. Aus